Abmahnungen wegen „Streaming“ – kann ein VPN dich davor schützen?

Abmahnungen stellen derzeit ein großes Schreckgespenst für viele Streaming-Fans dar. Ist Streaming mittlerweile wirklich illegal? Und kannst du dafür tatsächlich belangt werden? Aber vor allem: Kann dir ein VPN dabei helfen, dich vor Abmahnungen zu schützen? Diese und weitere Fragen möchten wir dir hier ganz ausführlich beantworten.

Wie ist Streaming eigentlich definiert?

Zuerst einmal zu den Basics: Streaming bedeutet, dass du dir Filme etc. über das Internet auf deinem eigenen Gerät ansiehst, die Daten aber nicht mit noch jemand anderem teilst. Damit verfolgst du keine gewerblichen oder geschäftlichen Zwecke, sondern nur deine eigenen, privaten. Da manche dieser Filme etc. urheberrechtlich geschützt sind, sind Haftungsansprüche – eben z. B. Abmahnungen – von Dritten tatsächlich möglich.

Was hat es mit Abmahnungen auf sich?

Seit dem Urteil des Europäischen Gerichtshof im Jahr 2017 machen sich Anwälte oft einen Sport daraus, auch ungerechtfertigte, kostenpflichtige Abmahnungen fürs Streamen zu verteilen. Anstatt zu klagen, bieten diese Anwälte eine Abschlagszahlung an, die durchaus an die 1.000 Euro betragen kann. Denn in Deutschland ist es erlaubt, sich bei urheberrechtlichen Streitthemen (wozu Streaming zählt) außergerichtlich zu einigen. Durch deine IP-Adresse bist du auch nicht anonym und eine solche Abmahnung kann dir zugestellt werden.

Keine Behörden im Spiel: Streaming fällt ins Zivilrecht

Abmahnungen wegen Streaming zählen zum Zivilrecht, nicht zum Strafrecht. Das heißt, dass ein privater Anwalt sie versucht durchzusetzen, um damit gutes Geld zu verdienen. Behörden, Polizei oder Staatsanwaltschaft haben ihre Finger dabei nicht im Spiel. Es ist auch bis dato noch nie passiert, dass einem Kläger tatsächlich Schadenersatz für reines, privates Streaming zugesprochen wurde. Und es entspricht auch nicht der Wahrheit, dass staatliche Behörden auf Internet-Provider Druck ausüben können, um Daten herauszugeben.

So funktioniert eine Streaming-Abmahnung in Deutschland

Im Folgenden findet ihr eine detaillierte Ablaufbeschreibung für den Abmahnungs-Vorgang in Deutschland. Nutzer in Österreich und der Schweiz sind davon bis dato NICHT betroffen, weil in diesen Ländern ein unbewiesener Verdacht nicht für einen Gerichtsbeschluss zur Ausforschung von privaten Daten ausreicht.

Wie kann ich als Streaming-Nutzer überhaupt ausgeforscht werden?

Durch deine IP-Adresse ist prinzipiell nachverfolgbar, wer du bist. Allerdings können diese Daten aufgrund der Gesetzeslage nur in Deutschland ausgehoben werden. Aber das dafür relativ einfach: Ein Anwalt kann eine Verfügung zur Herausgabe deiner Daten völlig ohne Beweise bei Gericht beantragen. Meist bekommt er diese auch und kann damit beim jeweiligen Internet-Provider die Daten fordern.

Sicherheitsfaktor VPN: So schützt du dich vor Abmahnungen

Klingt nicht so ungefährlich, oder? Gut, dass es Möglichkeiten gibt, derartige Abmahnungen zu verhindern. Wie bereits geschrieben, ist der Vorgang einer Abmahnung nur in Deutschland möglich Sobald deine IP-Adresse keine deutsche, sondern eine fremdländische ist, bist du aus dem Schneider. Eine Ausforschung deiner Daten auf zivilrechtlichen Wege ist dann nicht mehr möglich. Sie kann weder beantragt noch bei Gericht eingereicht werden. Damit wären wir auch schon beim Abmahnungs-Wundermittel VPN: Entscheide dich ganz einfach für einen VPN-Dienst, der im Idealfall nicht in Deutschland beheimatet ist und dich vor allem zu einem VPN-Standort in einem anderen Land verbindet – beispielsweise nach Russland oder in die Schweiz. Noch nie ist es einem Anwalt gelungen, einen VPN-Dienst im Ausland zur Herausgabe von Kundendaten für eine Abmahnung wegen privaten Streamings zu zwingen. Genauso wenig stimmt es, dass Logfiles eines VPN-Services zur Ausforschung von Nutzern verwendet werden dürfen.

Kurz gesagt: Wenn du ein VPN-Service verwendest, dass seinen Sitz nicht in deiner Heimat hat und dir die Verwendung einer ausländischen IP-Adresse anbietet, bist du jedenfalls vor einer Ausforschung deiner Daten sicher. Eine Abmahnung könnte dir so gar nicht zugestellt werden.

Strafrechtliche Delikte sind hiervon ausgenommen & werden verfolgt!

Ausforschungen für rein zivilrechtliche Abmahnungen sind das eine. Handelt es sich um einen strafrechtlichen Tatbestand so ist eine Ausforschung aber klarerweise auch außerhalb Deutschlands möglich. Strafrechtliche Delikte können zum Beispiel die bewusste Schädigung des Urhebers oder die geschäftsmäßige Verwendung bzw. Veröffentlichung von urheberrechtlich geschützten Daten sein – besonders, wenn hier unrechtmäßig Geld damit verdient wird. Also Aktivitäten, die du als normaler Nutzer hoffentlich nicht setzt. In solchen Fällen schalten sich dann aber die Behörden ein. Aber auch hier kommt es immer noch darauf an, ob es entsprechende Abkommen gibt und im jeweiligen Land eine Datenspeicherung vorgesehen ist bzw. die lokalen Datenschutzgesetze nichts Gegenteiliges bestimmen. Das EU-Gerichts-Urteil, das 2017 durch die Medien gegangen ist, bezieht sich ebenfalls auf derartige gewerbsmäßige und damit unerlaubte Urheberrechtsverletzungen. Wenn du einfach nur ganz gemütlich privat Videos streamst und diese nicht teilst, betrifft dich dieses Urteil nicht.

Unsere Empfehlungen für die besten VPN-Dienste sind hier.

Was tun, wenn tatsächlich eine Abmahnung in deinen Briefkasten flattert?

Zu guter Letzt noch unsere Antwort auf diese sehr unangenehme Frage. Wenn du keinen VPN-Service nutzt bzw. einen inländischen, kann dir theoretisch eine Abmahnung zugestellt werden. Erfahrungsgemäß sind diese Schriftstücke richtig schön einschüchternd formuliert. ABER: Du entscheidest, ob du der Zahlungsaufforderung nachkommst. Die Abmahnung enthält weder bewiesene noch richterlich geprüfte Aussagen; hinter ihr steht KEIN Gericht.

Und wenn du nicht bezahlst?

Wenn du dich dazu entschließt, die Abmahnung zu ignorieren wäre der nächste Schritt des Anwaltes theoretisch eine Klage wegen Schadenersatzes. Dafür muss er dem Gericht bei einer Verhandlung aber Belege zeigen und auch den Schaden beziffern. Und das ist nicht wirklich leicht: Wenn du privat zuhause ein Video gestreamt hast, wie hoch soll dann der Schaden gewesen sein? Außerdem müsste dir in einer Gerichtsverhandlung nachgewiesen werden, dass du wissentlich Inhalte gestreamt hast, die nur durch eine Urheberrechtsverletzung gezeigt werden konnten. Ganz schön tough, oder?

Nichts destotrotz, unsere Empfehlung lautet ganz klar: Lass es nicht darauf ankommen, entscheide dich für einen passenden VPN-Dienst, der deinen Streaming-Genuss nicht durch das Schreckgespenst Abmahnung mindert!


Erstellt am:17. März 2018

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