Corona App: Tracking & Überwachung in Europa

In Österreich wird die Verwendung der Stopp Corona App im Kampf gegen das Virus heiß diskutiert. Aber auch andere Länder in Europa tracken bereits ihre Bürger bzw. ziehen dies in Erwägung. Wie die Überwachung in anderen Staaten momentan aussieht haben wir uns für euch angesehen.Corona Apps in Europa

Überwachung gegen den Virus: Ja oder nein?

Generell gilt, dass weder Politikern (klar) noch Wissenschaftlern (nicht ganz so klar) „Überwachungsmethoden“ in Sachen Viruseindämmung durchaus ein Thema sind. Momentan gibt es hierfür zwei Ansätze: Einerseits das Einsetzen von entsprechenden Corona Apps, andererseits das Tracking via Standortdaten der Smartphones, teils in Kombination mit zusätzlichen Daten. Die EU als Konsortium möchte sich, laut Reuters, mit einer Gesamtlösung einbringen, die auch grenzübergreifend funktioniert.

Methode 1: Tracking von Kontakten mit Corona App

Stopp Corona App
Digitaler Handshake bei österreichischer Stopp Corona App

Schauen wir uns mal die beiden Methoden genauer an. Allen voran das Tracking von Kontakte. Dieses hat den Hintergrund, dass man damit sieht, wer mit Coronavirus-Erkrankten in Kontakt war. So lässt sich natürlich die Ausbreitung des Virus durch gezielte Maßnahmen wie Quarantäne der Kontaktpersonen besser verhindern. Diese Art von Tracking wird aber auch verwendet, um die Menschen schlichtweg zu kontrollieren, ob sie sich wohl an Ausgangssperren etc. halten.

Stopp Corona App in Österreich

Österreich setzt auf die (zumindest noch) freiwillige Stopp Corona App. Diese funktioniert nach dem Prinzip, dass sich die App Kontakte, die über 15 Minuten dauern und sich in 2 Meter Entfernung befanden, mittels Bluetooth „merkt“. Kommt es nun zu einem Krankheitsfall, werden diese Kontakte informiert und die Quarantäne empfohlen. Neben Österreich arbeiten auch Belgien, UK, Israel, Norwegen und Deutschland an bzw. mit derartigen Apps.

Extreme Überwachung in Polen

Zweiteres Tracking nimmt derzeit ganz extreme Formen an: In Polen müssen Menschen in Quarantäne via einer verpflichtenden App bspw. auf zufällige Anforderung ein Selfie inklusive ihrem Standort an die Regierung schicken. Als Beweis sozusagen. Tun sie das nicht oder zu spät, tritt die Polizei auf den Plan und schaut mal eben schnell in der jeweiligen Wohnung vorbei … Und bei Nicht-Antreffen kann es ordentliche Geldstrafen setzen!

Methode 2: Tracking via Standortdaten von Netzanbietern

Ebenfalls ein Thema ist die Zusammenarbeit mit Netzanbietern. Da Smartphones sich mit Mobilfunkmasten verbinden müssen, wissen diese zumindest ungefähr, wo sich die jeweiligen Nutzer befinden. Diese Daten sind natürlich fürs Tracking ebenfalls sehr hilfreich. Bulgarien bspw. nimmt Einsicht, ohne zu fragen, Tschechien holt immerhin das OK der Betroffenen ein. Und Israel geht ob der Ungenauigkeit der Handy-Daten überhaupt auf Nummer Sicher und kombiniert diese mit Banktransfers.

DSGVO konform?

Wenn man über derartige Methoden liest, liegt die Frage nach der Datenschutzgrundverordnung DSGVO natürlich nahe. Hier gilt: Besondere Situationen erfordern besondere Mittel. Und so ist in Zeiten von Corona die Datenschutzgrundverordnung auch durch solche Apps etc. nicht beeinträchtigt. Allerdings muss das Ganze im Rahmen bleiben, so der EU-Datenausschuss. Nach der Krise müssten beispielsweise die Daten natürlich sämtlich wieder gelöscht werden. Im Hinblick auf grenzüberschreitendes Reisen möchte die EU (und auch Länder wie Deutschland) eine länderübergreifende App nutzen, anstatt viele verschiedene, die nicht vernetzt sind.

Corona App Pepp-PT viel versprechend?

In vielen Ländern wird emsig an Apps gearbeitet. Eine der bekanntesten, die auch das Robert Koch Institut nutzen möchte, ist Pepp-PT (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing). Dabei handelt es sich um eine App von Wissenschaftlern, die eben auf eine Kommunikation und Vernetzung der Länder setzt. Das Team dahinter legt aber auch auf die Privatsphäre wert. So werden keine Standortdaten von Netzanbietern genutzt, es wird nur mit Bluetooth gearbeitet. Bewegungen individueller Personen sollen nicht nachvollziehbar sein.

Kann Pepp-PT europaweit funktionieren?

Das Pepp-PT Konzept ist ähnlich ausgelegt wie die Stopp Corona App. Es handelt sich aber um eine Open Source-Lösung. Was den Vorteil bietet, dass der Code für jeden einsehbar ist. Anbindungen zu Konzernen wie Microsoft oder Google gibt es so ebenfalls keine. Eine Lösung, die also keine extreme Überwachung wie sie in Polen herrscht, vorsieht. Ob Pepp-PT aber eben diesen Staaten recht sein wird, sei dahingestellt.


Erstellt am:14. April 2020

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